Slowenien
Slowenien (slowenisch Slovenija) ist ein Staat in Mitteleuropa und grenzt an Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien.
Geographie
Trotz seiner geringen Größe verfügt Slowenien über sehr unterschiedliche Landschaftsformen. Im Norden des Landes befinden sich mit den Julischen Alpen, den Karawanken und den Steiner Alpen Hochgebirgszüge. Im Nationalpark Triglav liegt mit dem Triglav (2.864 m) die höchste Erhebung des Landes. In den Julischen Alpen entspringen auch die Soca und die Save, die neben der Drau und der Mur wichtige Flüsse Sloweniens sind. Der Osten ist von einer Tiefebene geprägt, die in die Pannonische Tiefebene übergeht, während sich in der Mitte und im Westen Mittelgebirgszüge des Dinarischen Gebirges befinden. Hier gibt es auch die typischen Karst-Erscheinungen. Im äußersten Südwesten des Landes liegt die 47 km lange Adria-Küste, die den tiefsten Punkt des Landes markiert. Über die Hälfte der Staatsfläche ist mit Wald bedeckt.
Im Südwesten des Landes herrscht mediterranes Klima mit warmen Sommern und milden, feuchten Wintern. Winter und Frühjahr bringen an der Küste häufig kalte Fallwinde (Bora). Im Landesinneren ist das Klima kontinentaler geprägt.
Bevölkerung
Bevölkerung: 93,06% Slowenen, 1,98% Serben, 1,81% Kroaten, 1,1% Bosniaken (Zensus 2002), kleine autochthone Minderheiten von Italienern in Istrien (0,19%), Ungarn in der östlichen Region Prekmurje (0,39%), sowie Deutsche (0,10%).
Städte: Ljubljana (Laibach, 300.000 Einwohner), Maribor (Marburg, 110.000), Celje (Cilli, 41.000), Kranj (Krainburg, 37.000), Velenje (Wöllan, 26.500), Koper (Capodistria, 25.000), Novo Mesto (Rudolfswert, 23.000) und Ptuj (Pettau, 23.000)
Geschichte
Man nimmt an, dass die slawischen Vorfahren der Slowenen sich im 6. Jahrhundert ins Gebiet vom heutigen Slowenien begaben und dort niederließen. Im 7. Jahrhundert entstand das slawische Fürstentum Karantanien (Karantanija), der erste slowenische Staat, der zum einen slawischer Herkunft war, und zum anderen eine bemerkenswerte Stabilität aufwies. Im Verlauf der nächsten zwei Jahrhunderte fiel Karantanien zunächst unter bayerische, dann fränkische Vorherrschaft. In der Mitte des 10. Jahrhunderts war durch den Sieg des Königs und späteren Kaisers Otto I. in der Schlacht auf dem Lechfeld (bei Augsburg) der Weg frei für die Ostkolonisation des Heiligen Römischen Reiches. Die zuvor das Gebiet um das heutige Slowenien, Süddeutschland und Italien unsicher machendenden Ungarn ließen sich daraufhin in der Pannonischen Tiefebene nieder; dadurch wurden die Siedlungsgebiete der Südslawen von denen der Westslawen und der Ostslawen getrennt. Karantanien wurde in das Herzogtum Bayern eingegliedert, und ab 976 zum Herzogtum Kärnten des Heiligen Römischen Reiches, das in den folgenden Jahrhunderten in die Herzogtümer Kärnten (Koroška), Steiermark (Štajerska) und Krain (Kranjska) aufgespalten wurde.
Im Zuge des Aufstiegs der Habsburger Mitte des 13. Jahrhunderts wurden große Gebiete Sloweniens habsburgisch. Eine Ausnahme bildete die Grafschaft der Sanegg in Cilli (Celje), die sich durch geschickte Heiratspolitik bis zum Aussterben der Dynastie 1456 gegen die habsburgische Hegemonie behaupten konnte. Danach stand Slowenien bis zum Ende des Ersten Weltkriegs - mit einer kurzen Unterbrechung während der Napoleonischen Kriege - unter habsburgischer Herrschaft.
Das schon im 19. Jahrhundert zunehmend aufflammende Nationalbewusstsein führte 1918 dann zur Proklamation des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen; Italien besetzte daraufhin die slowenische Küstenregion, die das Königreich dann im Grenzvertrag von Rapallo 1920 offiziell abtreten musste. 1929 wurde das Land nach einem Staatsstreich des Königs in Königreich Jugoslawien umbenannt. Dadurch verstärkte sich die schon vorher zunehmende Dominanz der Serben im Königreich, zudem litten die Slowenen unter dem Verlust ihrer Küstenregion. Zunehmend innenpolitisch zerrüttet, bewahrte sich das Land aber seine Neutralität. Am 25. März 1941 wurde der bis dahin die Regierungsgeschäfte führende Prinz Paul (seit 1934 war der minderjährige Peter II. Staatsoberhaupt, Prinz Paul war sein Onkel) von den Achsenmächten zum Mitpaktieren gezwungen. Die Militärführung putschte aber bereits zwei Tage später und setzte Kronprinz Peter II. als Machthaber ein. Die Achsenmächte betrachteten diese Vorgänge an ihrer südöstlichen Flanke als Gefahrenquelle und besetzten im April 1941 das gesamte Jugoslawien. Slowenien wurde danach unter Italien, Ungarn und Deutschland aufgeteilt. Zahlreiche Partisanenverbände formierten sich unter der königstreuen und ab der Kriegserklärung Hitlers an Stalin auch unter den kommunistischen Oppositionellen (unter der Führung Titos). Am Ende des zweiten Weltkrieges wurde nahezu die gesamte deutschsprachige Minderheit vertrieben. Hierbei wurden nach Beendigung des zweiten Weltkrieges im Gebiet um Maribor (Marburg an der Drau) und in den Schluchten des Hornwaldes von Tito-Partisanen Massenmorde ("Massaker von Bleiburg") begangen.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde am 29. November 1945 die Demokratische Föderative Volksrepublik Jugoslawien gegründet, ab 1963 nannte sie sich Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (SFRJ). Die wachsende Unzufriedenheit mit der Belgrader Führung während der 1980er Jahre mündete in die Unabhängigkeitserklärung Sloweniens am 25. Juni 1991. Der darauffolgende Einmarsch jugoslawischer Truppen konnte im sogenannten 10-Tage-Krieg durch die territoriale Abwehr erfolgreich abgewehrt werden, was die Verabschiedung einer demokratischen Verfassung nach europäischem Vorbild am 23. Dezember 1991 ermöglichte. Schon binnen Monatsfrist wurde der neue Staat von allen Mitgliedern der EG anerkannt. Die ethnisch relativ homogene Bevölkerung und die durch die nur kurzen und wenigen Kriegshandlungen geringen Zerstörungen ermöglichten eine schnelle Stabilisierung und demokratische Entwicklung des Staates. Dies wurde mit dem Beginn der Beitrittsverhandlungen zur EU im November 1998 honoriert und mit dem Beitritt Sloweniens am 1. Mai 2004 zur Europäischen Union besiegelt. Näheres zum Grenzkonflikt mit Kroatien, siehe Internationale Konflikte der Nachfolgestaaten Jugoslawiens.
Infrastruktur
Slowenien besitzt eine ausgezeichnete Infrastruktur mit einem modernen Autobahnnetz. Der größte internationale Flughafen heißt Brnik und liegt in der Nähe der Hauptstadt. Daneben gibt es zwei kleinere internationale Flughäfen, Maribor und Portorož. Entlang der Save verläuft die Eisenbahn von Deutschland und Österreich nach Kroatien. Eine weitere wichtige Eisenbahnverbindung verläuft von Italien nach Ungarn.
Wirtschaft
Ein wichtiger Wirtschaftszweig Sloweniens ist der Tourismus, der sich vor allem auf die Alpen, Ljubljana, die Adria und andere Sehenswürdigkeiten wie die Höhlen von Postojna konzentriert.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im Jahr 2002 21,905 Mrd. €, das bedeutet pro Kopf 11.709 €. Die Auslandsverschuldung belief sich 2002 auf 3968 Millionen Euro. Das reale Wachstum betrug 2002 3,2 % (2001: 3,0 %). Die Inflationsrate ist immer noch relativ hoch und betrug im Jahr 2002 7,5 % (2001: 8,4 %). Die Arbeitslosenquote konnte von 2001 auf 2002 von 6,4 % auf 6,0 % reduziert werden. Momentan (2005) hat Slowenien eine Inflation von 2,0 % und ein geschätztes Wirtschaftswachstum von 3,7 %.
Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Slowenien einen Index von 76.0 (EU-25:100) (2003).[1]
Slowenien wird am 1. Januar 2007 den Euro einführen.