Tschechische Republik
Tschechien bzw. in der Langform Tschechische Republik (tschechisch Česko bzw. Česká republika hören ? / Lizenz) liegt in Mitteleuropa und grenzt an Deutschland (810 km) im Westen und Nordwesten, an Polen (762 km) im Norden, die Slowakei (252 km) im Osten und Österreich (466 km) im Süden.
Tschechien umfasst traditionell die drei historischen Länder Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese in acht Regionen aufgeteilt (sechs für Böhmen, zwei für die anderen beiden Landesteile), seit dem Jahr 2000 gilt eine neue Verwaltungsgliederung in 14 Regionen (siehe auch Verwaltungsgliederung Tschechiens). Der Staat wurde 1999, acht Jahre nach Auflösung des Warschauer Vertrags, Mitglied der NATO und trat am 1. Mai 2004 der Europäischen Union bei.
Geographie
Tschechien hat durch seine Randgebirge eine topografisch klare Gliederung: es besteht aus mehreren Beckenlandschaften, die von Gebirgen umgeben und unterteilt werden. Deswegen sagt man zum Beispiel in Oberösterreich „ich fahre nach Tschechien hinein" - und nicht hinüber.
An der Südwestgrenze Tschechiens liegt der Böhmerwald (Šumava, 1.000 bis 1.400 m), im Nordwesten das Erzgebirge (Krušné Hory, Keilberg 1.244 m) und im Norden die Sudeten (Sudety), welche im Riesengebirge (Krkonoše) mit der Schneekoppe 1.602 m (tschech. Sněžka) erreichen. Südöstlich des Erzgebirges breitet sich zu beiden Seiten der Elbe (tschech. Labe) das Böhmische Mittelgebirge aus.
Böhmen und Mähren werden durch die niedrige Böhmisch-Mährische Höhe (600 bis 800 m) voneinander getrennt. Mähren hat im Osten Anteil am Karpatenvorland und im Süden am Wiener Becken. Seine Ostgrenze zur Slowakei bilden die Beskiden und Weißen Karpaten, und nur die Südgrenze zu Niederösterreich bildet großteils ein Fluss - die stark mäandrierende Thaya (Dyje).
Auf den Gipfeln vom Böhmerwald, Böhmischen Mittelgebirge, den Beskiden und dem ersten Ausläufer der Karpaten verläuft die Europäische Wasserscheide.
Die Beckenlandschaften sind sehr fruchtbar. So wird in Böhmen, vor allem im Saazer Becken, Hopfen angebaut (Böhmen ist eines der traditionellen Bierbrauerländer), in Mähren wird Wein angebaut.
Tschechien liegt in der gemäßigten Temperaturzone der Erde. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 7,9 °C bei milden Wintern (Februar: 0,5 °C) und kühlen Sommern (Juni: 18,6 °C). Die Jahresniederschlagssumme beträgt 508 mm in Prag; ein relativ geringer Wert aufgrund der Lee-Lage östlich beziehungsweise südöstlich des Böhmerwalds, des Oberpfälzer Walds und des Erzgebirges. Alle zwölf Monate sind humid.
Staats- und Landesname
Tschechien/Tschechische Republik
Laut der Staatenliste auf der Webpage des deutschen Auswärtigen Amtes ist die Kurzform „Tschechien" nur im nichtamtlichen Gebrauch zulässig. Laut Duden, entsprechend dem Wunsch der tschechischen Behörden, entsprechend dem alltäglichen Gebrauch zumindest in Tschechien selbst sowie gemäß tschechischen Normen über die Verwendung fremdsprachlicher Äquivalente des Staatsnamens ist jedoch „Tschechien" eine übliche Kurzform sowie das geografische Äquivalent der Langform („Tschechische Republik") des Staatsnamens und ist somit mit Namen wie Frankreich, Deutschland, Polen etc. völlig gleichwertig.
Die Tatsache, dass die Kurzform im Ausland als nicht offiziell gilt, ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass die englische (nicht jedoch die tschechische) Kurzform in der entsprechenden Tabelle der UNO (vom Kartographischen Dienst herausgegeben) in den 90er Jahren fehlte. Jeder Staat muss hier selbst eine Kurzform angeben, der Kartographische Dienst hat dazu keine Befugnis. Gerade dies hat die Tschechische Republik jedoch versäumt, so dass nach Ablauf der Zeit hier ebenfalls die Langform eingetragen wurde. Aber bereits 1993 empfahl das Außenministerium in einem Memorandum an die tschechischen Botschaften die Verwendung der Kurzform als legitim und äquivalent.
Tschechien/Tschechei und Geschichtliches
Wegen der Auflösung (Teilung) der Tschechoslowakei am 1. Januar 1993 musste die deutsche und tschechische offizielle Bezeichnung für den neuen Staat beschlossen werden. Eine tschechische staatliche Kommission schlug damals die deutsche Bezeichnung Tschechien vor, zumal offizielle tschechische Kreise auch darum ersuchten, die Form „Tschechei" nicht mehr zu verwenden (siehe dazu unten). Das deutsche Auswärtige Amt zieht allerdings in seiner Namensliste die längere Form Tschechische Republik vor und bezeichnet Tschechien (tschech. Česko) ausdrücklich als nichtamtlich.
Beide neuen Namen waren sowohl für Deutschsprachige als auch für die Tschechen gewöhnungsbedürftig und sind es für Teile der deutschen Bevölkerung noch immer. Da es sich aber um eine Festlegung handelt, sollte im offiziellen Gebrauch ausschließlich Tschechien oder Tschechische Republik verwendet werden.
Sowohl die Bezeichnung Tschechien als auch Tschechei wurden historisch verwendet. Tschechien ist die ältere Form und bereits 1876 belegt (Österreich-Ungarn: Anlehnung an Kroatien und Slawonien). Tschechei ist hingegen (außer in Teilen Preußens) erst 1918 nach Bildung der Tschechoslowakei aufgekommen - als Kontamination von Tscheche + Slowakei oder als Kontraktion von Tschech[oslowak]ei. Tschechei bezeichnete aber manchmal auch den Gesamtstaat Tschechoslowakei, nicht nur den westlichen Teil. Eine breitere Verwendung des Wortes Tschechei ist erst seit den 1930er Jahren festzustellen. Gleichzeitig kam der ältere Begriff Tschechien außer Gebrauch, so dass er heute von vielen als „Neukonstrukt" empfunden wird.
Hinzu kommt, dass die Bezeichnung Resttschechei negativ besetzt ist, weil sie der Propaganda der Nazi-Diktatur während der Zerschlagung der Tschechoslowakei entstammt (1938/39). Der negative Klang übertrug sich bei den meisten Tschechen auch auf den Begriff Tschechei, obwohl der Begriff kurz vor- und nachher auch in anderem Zusammenhang verwendet wurde. Es war jedoch immer ein Begriff von nicht offizieller Natur. In Erwägung der obigen Argumente haben deutsche und österreichische Sprachforscher sowie die tschechische Regierung beschlossen, den Begriff Tschechien für die 1992 neu entstandene Tschechische Republik zu forcieren. Dementsprechend ist auch seit 1992 in deutschen Nachschlagewerken ausschließlich Tschechien als Kurzform für „Tschechische Republik" vorzufinden.
Die Tschechen selbst stellen sich die analoge Frage etwas anders. Das Wort Čechy ist das tschechische Wort für Böhmen (d.h. ohne Mähren und Schlesien), es wird aber fälschlicherweise manchmal auch für Mähren und Schlesien verwendet. „Česko" [tschessko] ist das tschechische Wort für Tschechien. Der Begriff wurde aber vor 1992 selten verwendet - außer in Fachkreisen, eher archaisch, und mit Ausnahme der Jahre 1918 und 1968 als logischer Parallelbegriff zu Slovensko (deutsch Slowakei). Er war der Öffentlichkeit eigentlich völlig unbekannt, obwohl er im offiziellen Wörterbuch der tschechischen Sprache sowie in den Terminologielisten enthalten war. „Česko" ist ähnlich wie Tschechien und Tschechei keine Neubildung, da der Begriff bereits 1777 belegt ist. Die Eigenschaftswörter für „tschechisch" und „böhmisch" sind in der tschechischen Sprache identisch (český).
Da sich vor allem die englischsprachige Welt und zum Teil die ältere Generation Tschechiens immer noch weigert, die neu entstandene Form „Česko" (Czechia) zu verwenden, mit dem Fehlen eines kurzen Namens aber diverse wirtschaftliche und andere Schwierigkeiten verbunden sind, musste der tschechische Senat am 11. Mai 2004 in einer Sondersitzung die Verwendung von „Česko" anstelle von „Česká republika" offiziell empfehlen (Kodifizierung und offizielle Empfehlungen gab es jedoch schon vorher). In den 1990er Jahren gab es zum Teil eine Art Medienstreit: die Kurzform „Česko" galt bei einem großen Teil der älteren Bevölkerung als minderwertig - obwohl im Tschechischen eine analoge Wortform schon immer für sehr viele Staaten (von Irland (Irsko) bis Japan (Japonsko)) allgemein verwendet wurde.
Geschichte
2. Jh. v. Chr.: Teile des Gebiets des heutigen Tschechiens sind von dem keltischen Stamm der Boier besiedelt, dessen lateinischer Name, Boiohaemum, die Namensgebung für Böhmen ist.
Anfang des 1. Jh. nach Chr.: Die Kelten werden von den einwandernden Markomannen verdrängt oder assimiliert.
4.-5. Jh.: Völkerwanderungszeit
ca. 6. Jh.: Ankunft der Slawen, ihr Ursprung wird östlich des Dnjepr vermutet.
623-658: Samos Reich.
768-814: Böhmen ist vielleicht fränkische Herrschaftssphäre unter Karl dem Großen.
8. Jh-833: Mährisches Fürstentum in Mähren
833: Großmähren unter Fürst Mojmír I. (gefolgt von den Fürsten Rastislav - 894 und Svatopluk - 871)
864: Ankunft der byzantinischen Mönche Kyrill und Method in Großmähren, slawische Liturgie.
869: Kyrill stirbt, Ende der byzantinischen Mission.
888/890-895: Böhmen ist Teil des Großmährischen Reichs
894: Rastislavs Nachfolger Svatopluk stirbt, Beginn des Zerfalls des Großmährischen Reichs, Rückkehr zur westlichen lateinischen Kirche und Kultur.
895: Fürst Spytihněv akzeptiert in Regensburg ostfränkische Oberherrschaft über Böhmen
907: Zerfall Großmährens
929: Der Přemyslide Wenzel (Hl. Wenzel), (später fälschlicherweise König Wenzel in einem Weihnachtslied genannt) wird von seinem Bruder Boleslav ermordet und wird der Schutzheilige des Landes.
973: Der Heilige Wolfgang, Bischof von Regensburg, erteilt seine Erlaubnis zur Gründung eines Bistums in Prag, zweiter Bischof wird der Heilige Adalbert (Vojtěch).
1003: Boleslaw I. von Polen erobert Böhmen (bis 1004)
1031: Mähren wird Böhmen angeschlossen (und 1182 zur Markgrafschaft erhoben)
1038: Břetislav I. von Böhmen fällt in Polen ein und entführt die Gebeine Adelberts aus Gnesen
1085: Der Přemyslide Vratislav II. wird zum ersten böhmischen König gekrönt (der Titel ist ihm von Heinrich IV., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verliehen worden).
1212: Goldene Bulle von Sizilien, Kaiser Friedrich II. bestätigt Ottokar I. Přemysl (Erblichkeit des Königstitels).
1300: Böhmisch-Polnische Personalunion unter Wenzel II. und Wenzel III. (Titularkönig in Polen)
1306: Wenzel III. wird in Olmütz ermordet, Ende der Přemyslidendynastie.
1311-1346: Johann von Luxemburg, Sohn des römischen Kaisers Heinrich VII. heiratet Elisabeth von Böhmen, die Tochter von Wenzel II. und wird böhmischer König.
1347: Karl IV., sein Sohn, wird (als Karl I.) König von Böhmen.
1348: Gründung der Prager Universität.
1355: Karl IV. wird in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Er wählt Prag zu seiner Residenzstadt.
1378: In seinem Testament teilt Karl IV. seine Erblande unter seinen Söhnen auf in Brandenburg, Görlitz und das Kerngebiet Böhmen, dessen Herrscher sein Sohn Wenzel IV. wird. Seine Nachfolger (ab 1419) sind Sigismund, Albrecht II. und Ladislaus Postumus
1415: Jan Hus wird während des Konstanzer Konzils auf dem Scheiterhaufen verbrannt - Beginn der Hussiten-Bewegung
1415-1434: Unruhen in Böhmen. Jan Žižka und Prokop Holý führen die Hussiten. Der radikale Flügel der Bewegung wird in der Schlacht von Lipany niedergeschlagen.
1458: Jiří z Poděbrad wird von den böhmischen Ständen zum König von Böhmen und damit zum ersten protestantischen König in Europa gewählt.
1471-1526: Nach seinem Tode fällt die böhmische Krone an die polnische Dynastie der Jagiellonen. Der letzte dieser Dynastie gibt durch seinen Tod in der Schlacht bei Mohács gegen die Türken die Krone wieder frei.
1526-1918: Tschechien ist habsburgisches Gebiet, nachdem die böhmischen Stände 1526 den Habsburger Ferdinand I. zum König von Böhmen gewählt haben.
1547: Aufstand der böhmischen Stände gegen Ferdinand I.
1583: Kaiser Rudolf II., Ferdinands Nachfolger, zieht mitsamt dem Hof von Wien nach Prag, welches ein Zentrum von Kunst und Wissenschaft wird. 1609 erlässt er den Majestätsbrief der Religionsfreiheit.
1611: Rudolfs Bruder Matthias Corvinus übernimmt die Macht; die Konfessionsproblematik entflammt aufs Neue.
1618: Gesandte der böhmischen Stände (mehrheitlich protestantisch) dringen in die Kanzlei des Hradschin und werfen zwei kaiserliche Statthalter aus dem Fenster (sie werden dabei nicht getötet). Dieser sogenannte zweite Prager Fenstersturz leitet den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ein.
1619: Matthias stirbt. Im August wählen die böhmischen Stände den deutschen Protestanten Friedrich von der Pfalz zum König. Indem er im Herbst in Prag gekrönt wird und dort seine Residenz aufnimmt, wird der innerhabsburgische Konflikt zu einer Reichsangelegenheit.
1620: Schlacht am Weißen Berg. Friedrich von der Pfalz flieht aus dem Land („Winterkönig", da er nur einen Winter regierte). Hinrichtungen und das Exil des böhmischen Adels. Die nun beginnende Epoche wird in der tschechischen Geschichte temno, die Zeit der Dunkelheit genannt. Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) führt eine Unterdrückungspolitik gegen Nicht-Katholiken. Protestanten fliehen (Comenius) oder werden hingerichtet. Großer Teil des böhmischen Adels flieht. In Böhmen wird Deutsch zur zweiten Amtssprache erhoben und drängt faktisch bald das Tschechische zurück.
1740-1780: Herrschaft von Maria Theresia.
1780-1790: Herrschaft ihres Sohnes Joseph II. Der „aufgeklärte" Absolutismus mündet in die Aufklärung.
1781: Aufhebung der Leibeigenschaft.
Ende des 18. Jhd.-1885: Tschechische Nationale Wiedergeburt. Als Reaktion auf den österreichischen mit der Aufklärung zusammenhängenden Zentralismus formieren sich seit dem Ende des 18. Jhd. Intellektuelle in der tschechischen Nationalbewegung (Wiedergeburt). Sie fördern die Pflege, Anerkennung und Verwendung der tschechischen Sprache (unterstützt auch von den deutschen Romantikern). Dem folgt später das Verlangen nach politischer Autonomie.
1848: Slawenkongress in Prag. Ein Aufstand wird niedergeschlagen. Die Industrialisierung beginnt - und Böhmen wird das "industrielle Rückgrat" von Habsburg.
1914-1918: Erster Weltkrieg. Gegen die Monarchie bildet sich im Exil eine tschechische und slowakische, von Tomáš Garrigue Masaryk angeführte, Opposition.
28.10.1918: Gründung der Tschechoslowakischen Republik, T. G. Masaryk wird erster Staatspräsident. Die bis dahin Ungarn administrativ unterstellte Slowakei schließt sich dem neuen Staat an (Milan Rastislav Štefánik).
1919: Beitritt/Anschluss der Karpatoukraine (nach 1945 fällt sie an die Sowjetunion).
1920: Anschluss Teschens
1918-1938: Erste tschechoslowakische Republik
1933: Gründung der Sudetendeutschen Partei (SdP) durch Konrad Henlein.
24. April 1938: Karlsbader Programm: die SdP fordert die völlige Autonomie des Sudentenlandes. Die Gegenvorschläge der Regierung in Prag werden abgelehnt.
29. September 1938: Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier unterschreiben das Münchener Abkommen (was die Tschechen "Münchener Diktat" oder "Münchener Verrat" nennen). Die Grenzgebiete werden von der deutschen Armee besetzt.
5. Oktober 1938: Präsident Edvard Beneš tritt zurück, geht daraufhin ins Exil nach England. Sein Nachfolger wird Emil Hácha.
15. März 1939: Einmarsch und Besetzung durch deutsche Truppen. Bildung des Protektorats Böhmen und Mähren. Die Slowakei wird als Schutzstaat des Deutschen Reiches eigenständig (1939-1945).
10. Juni 1942: Auf Statthalter Neurath folgt Reichsprotektor Heydrich, der im Juni nach einem Attentat (27. Mai) stirbt. Brutale Vergeltungsmaßnahmen, u. a. die Liquidierung der Dörfer Lidice und Ležáky.
1945: faktische Wiederherstellung der Tschechoslowakei; "Kaschauer Programm" der neuen Regierung unter Premierminister Zdeněk Fierlinger; amerikanische, sowjetische, tschechoslowakische Truppen befreien Tschechien: die in Jalta vereinbarte Demarkationslinie zwischen dem US- und dem UdSSR-Gebiet verläuft entlang Budweis, Pilsen und Karlsbad.
5. Mai 1945: Prager Aufstand gegen die deutsche Besatzungsmacht.
9. Mai 1945: Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag. Präsident Beneš übernimmt die Regierungsgeschäfte. Die nach ihm benannten Beneš-Dekrete sehen eine Bestrafung der Nazis und die Abschiebung der deutschen Bevölkerung unter Gewaltanwendung vor. Die Vertreibung der Sudetendeutschen beginnt.
19. Juni 1946: Die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei gewinnt die Wahlen, wird Bestandteil der Regierung und kann einen gewaltigen politischen Einfluss ausüben. Klement Gottwald (KPTsch) wird Ministerpräsident.
24. Oktober 1946: Abschluss der Vertreibung von insgesamt 2,7 Mio. Deutschen.
25. Februar 1948: Vollständige Machtergreifung durch die Kommunisten (KPTsch) - mit Berufung auf die vorangegangenen freien Wahlen. Verfassungsänderung, Umgestaltung des Landes nach sowjetischem Muster. Erster "Arbeiterpräsident" wird Klement Gottwald.
1951-1957: Verfolgung des Klerus und politische Prozesse (Rudolf Slánský).
1957: Antonín Novotný wird Präsident.
1964: Kafka-Konferenz in Libnice (Franz Kafka rehabilitiert). Rufe nach Reformen werden laut und kulminieren auf dem Schriftstellerkongress im Juni 1967 in direkter Kritik der politischen Führung.
3. - 5. Januar 1968: Novotný wird vom ZK abgesetzt. Alexander Dubček wird Vorsitzender der KP. Präsident wird General Ludvík Svoboda. Anfang März folgt die Aufhebung der Zensur. "Prager Frühling" beginnt, die Weiterentwicklung verläuft überwiegend spontan.
5. April 1968: Aktionsprogramm der KPTsch unter Alexander Dubček. Ein "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" wird angestrebt (Verbürgte Versammlungsfreiheit, kleines Unternehmertum, Freilassung der politischen Gefangenen).
21. August 1968: Militärische Intervention - Einmarsch der sowjetischen Truppen und Truppen des Warschauer Paktes (ohne Rumänien und der DDR) und Okkupation der Tschechoslowakei; Breschnew-Doktrin der "Begrenzten Souveränität der sozialistischen Staaten". Die nachfolgende politische Etappe wird "Normalisierung" genannt.
1. Januar 1969: Mit dem Inkrafttreten des Verfassungsgesetzes über die tschechoslowakische Föderation entsteht die Tschechische Sozialistische Republik als eine der Teilrepubliken der Tschechoslowakei.
17. April 1969: Ablösung Dubčeks und Wahl Gustáv Husáks zum Generalsekretär der KPTsch. Selbstverbrennung der Studenten Jan Palach (16. Januar) und Jan Zajíc (25. Februar) . Beginn der „Normalisierung". Die ČSSR wird in der Folge einer der konservativsten Mitgliedsstaaten des Ostblocks.
1. Januar 1977: Bürgerbewegung „Charta 77".
17. November 1989: Die Polizei unterdrückt brutal eine Studenten-Demonstration, was Grossdemonstrationen von bis zu 750.000 Menschen nach sich zieht. Siehe: Samtene Revolution
19. November 1989: Das Bürgerforum wird zur tragenden Kraft der „Samtenen Revolution" in Tschechien.
10. Dezember 1989: Staatspräsident Gustáv Husák erklärt seinen Rücktritt.
28. Dezember 1989: Alexander Dubček wird zum Präsidenten der Föderalversammlung gewählt.
29. Dezember 1989: Václav Havel wird von der Föderalversammlung zum Präsidenten der ČSSR gewählt.
Anfang 1990: Umbenennung der Tschechischen Sozialistischen Republik (siehe 1969) in Tschechische Republik.
23. April 1990: Umbenennung der Tschechoslowakei in Tschechische und Slowakische Föderative Republik (ČSFR).
8. Juni 1990: Erste freie Parlamentswahlen in der ČSFR.
5. Juli 1990: Václav Havel wird zum Präsidenten der ČSFR gewählt.
21. Feber 1991: Beitritt der ČSFR zum Europarat.
16. Dezember 1991: Unterzeichnung des EG-Assoziierungsabkommens.
5. Juni 1992: Parlamentswahlen in der ČSFR. Der Ökonom Václav Klaus (Demokratische Bürgerpartei (ODS)) wird Ministerpräsident. Er vertritt eine vom Thatcherismus inspirierte Wirtschaftspolitik („Marktwirtschaft ohne Adjektiv"). Es wird eine Coupon-Privatisierung fortgesetzt, wodurch 8 Mio. Tschechen Anteilseigner von privatisierten Firmen werden, Folgen sind jedoch fraglich. Der Politiker Vladimír Mečiar wird Ministerpräsident in der Slowakei. In der Folge vereinbaren beide Politiker eine Teilung der Tschechoslowakei in zwei Staaten.
20. Juli 1992: Präsident Václav Havel tritt von seinem Amt zurück.
25. November 1992: Gesetz über die Auflösung der ČSFR im föderalen Parlament verabschiedet.
16. Dezember 1992: Die neue Verfassung der Tschechischen Republik als "demokratischer Rechtsstaat" wird verabschiedet. Die Charta der Grundrechte und -freiheiten, die nach dem Umbruch im Januar 1991 von der tschechoslowakischen Bundesversammlung beschlossen worden war, wird unverändert von Tschechien übernommen.
1. Januar 1993: Tschechen und Slowaken bilden 2 unabhängige Staaten.
2. Feber 1993: Vereidigung des neugewählten Präsidenten Václav Havel.
30. Juni 1993: Beitritt zum Europarat.
29. Oktober 1993: Wahl zum nicht-ständigen Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen.
1. Feber 1995: Inkrafttreten des EU-Assoziierungsabkommens.
1994-1996: Nach 3 Jahren negativen Wirtschaftswachstums wächst die Wirtschaft wieder; 1997 folgt aber wieder Rezession
28. November 1995: Zeichnung der OECD-Beitrittsurkunde in Paris.
31. Mai 1996: Wahl zum Abgeordnetenhaus. Die regierende Rechts-Mitte-Koalition wird mit bestätigt, hat jedoch keine Mehrheit mehr .
23. Juli 1996: Zweites Kabinett Klaus. Dessen Regierung muss von den Sozialdemokraten (Vorsitzender Miloš Zeman) toleriert werden. 1997 Ende der wirtschaftlichen Wachstumsphase, eingeleitet durch einen Bankenkrach (12 Banken insolvent). Grund: U. a. Verflechtung von industriellen Großkomplexen, die durch faule Kredite künstlich aufrecht erhalten werden. Die tschechische Wirtschaft fällt in eine Rezession.
Juni 1997: Bei einer Flutkatastrophe müssen 40.000 Menschen evakuiert werden. Gesamtschaden: 2,5 Mrd. Euro.
21. Januar 1997: Unterzeichnung der Deutsch-Tschechischen Erklärung.
24. April 1997: Rede von Präsident Havel vor dem Deutschen Bundestag.
30. November 1997: Václav Klaus tritt nach Spendenaffäre zurück. Nachfolger wird später Josef Tošovský.
20. Januar 1998: Wiederwahl des Präsidenten Václav Havel.
28. Juni 1998: Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus gewinnen die Sozialdemokraten mit Miloš Zeman (32 %) und können die Regierung bilden, werden von der oppositionellen ODS toleriert (der sogenannte Oppositionsvertrag).
12. März 1999: Beitritt zur NATO (zusammen mit Polen und Ungarn), Vorbereitungen für den EU-Beitritt laufen.
25. September 2000: In Prag wird das Treffen des IMF (Internationaler Währungsfond) und der Weltbank veranstaltet, begleitet von Straßenunruhen und Demonstrationen.
2000: Die Auseinandersetzungen um die Besetzung des Intendanten des Tschechischen Fernsehens Česká televize lässt u. a. auch die Feindschaft zwischen Václav Havel und Václav Klaus wieder hervorbrechen. Klaus und Občanská demokratická strana wurden beschuldigt mehrere ihrer Anhänger in die Top-Positionen des Senders manövriert zu haben, darunter auch Jiří Hodač als Direktor. Dies löst die größten Demonstrationen in Tschechien seit 1989 aus. Folge: Hodač tritt zurück. Tschechien bekommt ein neues Mediengesetz, Zweifel über die Unabhängigkeit von Česká televize sind jedoch bei weitem nicht beseitigt.
1. Mai 2004: EU-Beitritt
2. und 3. Juni 2006 Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus wird die ČSSDˇvon der ODS geschlagen, grosse Verluste erlitten auch die Kommunisten, auch die SZ (Grüne) übersprang die 5-Prozent-Hürde.